Martina Schulz-Karrenbauer

Ist der »AKK«-Hype schon vorbei?

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Umfragen
Nur 38 Prozent glauben, dass »AKK« Kanzlerin kann

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Nachdem im November mit 24,5 Prozent für die Union der absolute Umfragen-Tiefpunkt gemessen worden war, ging es nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Vorsitzenden steil aufwärts, CDU und CSU legten um bis zu 4,5 Prozentpunkte zu. Ähnlich war es beim kurzfristigen Umfrage-Höhenflug der Genossen nach der 100-Prozent-Wahl von Martin Schulz zum SPD-Vorsitzenden im März 2017. Bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 endete der Schulz-Hype, der zu diesem Zeitpunkt schon lange keiner mehr war, in einer absoluten Katastrophe (20,5 Prozent).

Ergeht es Annegret Kramp-Karrenbauer ähnlich – wird sie zur Martina Schulz-Karrenbauer der CDU?

Viele in der Union glauben nicht, dass der »AKK«-Hype von Dauer ist. Das jüngste ›ZDF‹-»Politbarometer« bestärkt die Skeptiker.

Zwar erreicht die CDU-Vorsitzende mit einem Durchschnittswert von 1,3 bereits Platz 4 auf der Beliebtheitsskala hauchdünn hinter Angela Merkel (CDU), Robert Habeck (Grüne) und Wolfgang Schäuble (CDU). Aber im »Deutschlandtrend« der ›ARD‹ (22.–23. Januar) kommt die Union nur auf magere 28 Prozent der Wählerstimmen – sogar ein Prozentpunkt weniger im Vergleich zur Erhebung vom 10. Januar!

Ein deutliches Indiz dafür, dass der »AKK«-Hype bereits abflaut, liefern zudem folgende Werte des »Politbarometers«: Eine Mehrheit (60 Prozent) nimmt die CDU in wichtigen politischen Fragen eher als zerstritten denn als einig (34 Prozent) wahr. Die meisten (53 Prozent) erwarten, dass sich auch unter der neuen Parteivorsitzenden daran nicht viel ändern wird. 12 Prozent erwarten sogar eine wachsende Zerstrittenheit.

Gespalten sind die Befragten, wenn es um ein Urteil über Kramp-Karrenbauers Kanzler-Fähigkeiten geht. 38 Prozent halten sie für geeignet – 41 Prozent sehen das nicht so. Auch bei den CDU/CSU-Anhängern ist eine gewisse Skepsis spürbar: Nur 54 Prozent gehen davon aus, dass »AKK« Kanzlerin kann, während gut ein Viertel (29 Prozent) das bezweifelt.

Mit vorzeigbaren Leistungen jedenfalls kann die CDU-Vorsitzende bisher nicht aufwarten. Sie will sich alles noch mal »anschauen«, »fragen«, um dann gemeinsam »zu überlegen«. Ein »Werkstattgespräch« soll geführt werden. Die CDU, notierte der Publizist Gabor Steingart, sei »ein Stuhlkreis auf Selbstsuche«.

Kramp-Karrenbauer erinnert dabei an einen Hochalpinisten in der Bergwand. Sie tastet sich vorsichtig vor, hangelt sich von Haken zu Haken. Jeder zweite Blick ein unsicherer Schulterblick. Wie reißfest ist ihr Seil? Die Umfragen bieten jedenfalls keinen sicheren Halt.

Die Stunde der Wahrheit schlägt am 26. Mai, Punkt 18.00 Uhr: Schafft es die Union bei der Europawahl nicht, deutlich über die prognostizierten 28 bis 30 Prozent zuzulegen, dürfte sich in CDU und CSU rasch Ernüchterung einstellen. Auf den »AKK«-Rausch zum Jahreswechsel 2018/19 könnte der Kater folgen – und zwar schneller als viele glauben.

Schon jetzt dämmert es in der Union: Aus Raider (Merkel) wurde Twix (Kramp-Karrenbauer). Sonst hat sich nicht viel geändert. Die neue CDU-Chefin ist politisch eine Mischung aus Rita Süssmuth und Angela Merkel – was alles nur noch schlimmer macht. (oys)

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